Manneskraft Reloaded – Der L-Arginin Fall
Während meiner Recherche für das Buch Manneskraft reloaded – Der Potenzpillen Guide fielen mir in Bezug auf L-Arginin als „Potenzmittel“ die unzähligen Shops auf die es als Einzelpräparat oder in Kombination mit einem „Antioxidanz“ als natürliche Alternative zu PDE-5 Hemmer anpriesen. Stutzig machte mich aber das in der überwiegenden Mehrzahl der Shops immer dieselbe Studie oder deren Daten als Beleg für die Wirksamkeit präsentiert wurde. Die Daten sind phänomenal, nach einer Behandlung über 2 Monaten wurde bei 80% der Probanden die „sexuelle Fähigkeit“ wiederhergestellt und nach 3 Monate haben 92.5% der Probanden eine „normale Erektion“ erlebt. Ich orderte daher die von Dr. Romil Stanislavov geführte Studie „Treatment of erectile dysfunction with pycnogenol and L-arginine“ (2003) da die Ergebnisse sehr einprägsam waren. Alleine durch das fehlende Studiendesign im Titel versprach es schon interessant zu werden, immerhin werden über Konsumenten die im Guten Glauben diese Präparate erstehen Millionen umgesetzt. Auf den ersten Blick war auszumachen dass alle Vorkehrungen die bei aussagekräftigen klinischen Studien getroffen werden wie z.B. eine Kontrollgruppe oder eine Randomisierung fehlten. Als nächstes wurde erklärt dass die Studie sich aus Männern ohne eine bestätigte organische ED zusammensetzt, aber der Titel beschreibt doch die „Behandlung einer ED mit Pycnogenol und L-Arginin“. Wenn bei keinem der Probanden eine bestätigte ED vorliegt, wie kann dann eine behandelt werden? In der Zusammenfassung der Studie kommt man allerdings zu dem Schluss dass eine Kombination von L-Arginin und Pycnogenol zu einer signifikante Verbesserung der sexuellen Funktionen bei Männern mit einer ED führt; ohne Nebenwirkungen??? In einer randomisierten, placebokontrollierten, Cross-over Studie der Universität Köln (1999) hatte ich derweil gelesen das die Vergabe von täglich 3×500mg (1,5g) L-Arginin an Probanden mit einer ED nicht besser als ein Placebo war. Die Studie von Dr. Romil Stanislavov vergab auch 3x täglich L-Arginin, die Gesamtdosis lag dabei 0,2g höher (1,7g) als bei den Kölner. Es schien mir so, dass der Erfolg von Dr. Romil Stanislavov in dem verwendeten Pinien-Extrakt begründet lag. Es stellte sich dann während meiner weiteren Recherche heraus, dass es ein patentrechtlich geschütztes Produkt namens Pycnogenol® gibt.
Ab hier wird es wirklich kompliziert, lesen Sie es in Ruhe durch und nicht entmutigen lassen!
Auf der Homepage die nach dem Produkt Pycnogenol® benannt ist wird erklärt dass es u.a. ein „Super-Antioxidanz“ darstellt, aber von einem Potenzmittel ist nicht die Rede. Ich suchte einen weiteren Anhaltspunkt und fand ein patentrechtlich geschütztes Produkt namens Prelox® auf einer anderen Homepage. Dort wurde zu meinem Erstaunen erklärt das sich Prelox® u.a. aus L-Arginin und Pycnogenol® zusammensetzt und als maßgebliche Publikation zur Bestätigung der Wirksamkeit des Präparats ist wiederum die Studie von Dr. Romil Stanislavov aufgeführt. Freundlicherweise stellen die Homepages von Pycnogenol® und Prelox® zum zusätzlichen „Beweis“ der Wirksamkeit ihrer Produkte die jeweiligen Patente zum Download bereit, somit blieb mir eine E-Mail an das Patentamt der USA erspart. Ein derartiges Patent sagt in den USA rein gar nichts über die Wirksamkeit eines Produktes aus, sondern man muss lediglich angeben und dokumentieren was man sich patentieren lassen möchte, z.B. eine Anwendungs-, oder Herstellungsmethode. Weder kann man sich die Rechte an der Erdkrümmung noch an einem frei erhältlichen Naturprodukt wie z.B. der Rinde einer Kiefer sichern (mit Ausnahme der USA, beste Beispiel die Firma Monsanto), lediglich die Methode wie man die Erdkrümmung eventuell verändert oder ein Extrakt herstellt, benennt und anwendet. Bei allem was darüber hinaus geht ist das Patentamt der USA weder zuständig noch qualifiziert, sondern die U.S. Food and Drug Administration. Nur die FDA prüft und gewährleistet die Sicherheit und/oder Wirksamkeit von Lebensmittel und Medikamente. Zu Lebensmittel lassen sich übrigens auch Nahrungsergänzungsmittel zählen, daher sind diese sowohl in den USA als auch in der BRD frei erhältlich. Doch welcher Kunde außerhalb der USA kann das wissen, oder macht sich derartige Gedanken? Vor allem wenn man aufgrund seiner Erkrankung (ED) möglicherweise verzweifelt ist? In dem Patent von Pycnogenol® (16.04.2002) ist jedenfalls der Erfinder Herr Nobutaka Suzuki aufgeführt, im Fall des Patents von Prelox® (20.05.2003) die Erfinder Herr Peter Rohdewald und Herr Victor Ferrari. Wobei Herr Peter Rohdewald als Erfinder in einem weiteren Patent zu Pycnogenol® 24.02.1998 genannt wird. Noch verwirrender ist aber das in den Patenten von Pycnogenol® und Prelox® als Bevollmächtigter die Firma Horphag Research Ltd. benannt ist, dessen CEO eben Herr Victor Ferrari ist, wenn man danach ausgiebig sucht findet man den Firmennamen auf den zwei Homepages. Mir wurde aber als potentieller Kunde der im Guten Glauben ist durch die völlig unterschiedliche Namensgebung bzw. dem Design der Homepages suggeriert das es sich um zwei voneinander unabhängige Unternehmen handelt. Allerdings hat sich auf der Homepage von Prelox® ein Fehler eingeschlichen, dort wird angegeben das Pycnogenol® eine registrierte Handelsmarke der Horphag Research Ltd. mit Sitz in Genève/Schweiz ist. Tatsächlich läuft das aktuelle Patent von Pycnogenol® (U.S. Patent No. 6,372,266 B1) auf einen Firmensitz in St. Peter Port/Guernsey, dies ist eine Insel im Ärmelkanal die weder zum Vereinigten Königreich gehört noch eine Kronkolonie ist, im Patent steht irrtümlicherweise das Kürzel „GB“. Die Insel Guernsey ist in der Realität ein gesondertes Rechtssubjekt und fällt nicht unter die Gerichtsbarkeit des Vereinigten Königreichs oder der Europäischen Union, geschweige dessen der USA. Tatsächlich ist die Insel direkt der britischen Krone unterstellt (engl. crown dependency) und sonst niemanden.
Wir haben nun das Präparat Prelox® dessen Patentanmeldung am 24.05.2001 eingereicht wurde und am 20.05.2003 bewilligt wurde. Prelox® enthält neben den freie Bestandteilen lediglich einen patentierten Bestandteil und zwar Pycnogenol®. Wobei in beiden Fällen der Bevollmächtigte die Firma Horphag Research Ltd. ist, von der einer der Patenthalter Herr Victor Ferrari der CEO ist. Diese fällt wiederum aufgrund des angegebenen Firmensitzes im Patent von Pycnogenol® (St. Peter Port/Guernsey) weder unter die Gerichtsbarkeit der EU noch der USA; Prelox® ist abgesehen von seinen frei erhältlichen Bestandteilen eben nichts anderes als Pycnogenol®. Auf der firmeneigenen Homepage von Prelox® wird als maßgebliche Publikation zur Bestätigung der Wirksamkeit des Präparats die Studie von Dr. Romil Stanislavov aufgeführt. Wobei die interessant gestaltete Studie „Treatment of erectile dysfunction with pycnogenol and L-arginine“ praktischerweise am 03.05.2003 im Journal of Sex & Marital Therapy erschien. Ich beschäftigte mich nun erneut mit Dr. Romil Stanislavov und stieß auf eine deutsche Werbeseite auf der Prelox® beworben und vertrieben wird, ganz überraschend ließ sich feststellen das die Homepage auf eine Geschäftsadresse in Malaysia läuft. Auf dieser Werbeseite wird Dr. Romil Stanislavov mit einem Bild vorgestellt und bewirbt Prelox®, darüber hinaus wird Er mit der Universität Sofia in Zusammenhang gebracht, dabei handelt es sich nur um das Universitätskrankenhaus „Maychin dom“, Abteilung Geburtshilfe und Gynäkologie. Daneben ist auf dieser Seite eine dort als unabhängig bezeichnete Studie aus dem Jahr 2007 genannt in der Dr. Romil Stanislavov das Produkt Prelox® untersucht. Viel erfreulicher ist aber das in der Studie unter Interessenkonflikten (Competing Interests) einer der Patenthalter von Pycnogenol® namens Herr Peter Rohdewald als solcher benannt ist. Es wird auch ausgewiesen das Dr. Romil Stanislavov für die Durchführung der aktuelleren Studie aus dem Jahr 2007 namens „Improvement of erectile function with Prelox®“ eine finanzielle Unterstützung (grant) von Horphag Research Ltd. erhalten hat. Ich frage mich warum die Firma Horphag Research Ltd. nicht diese Studie als Nachweis für die Wirksamkeit ihres Produkts auf den Homepages zur Verfügung stellt? Die ist doch schließlich viel aktueller als die Studie „Treatment of erectile dysfunction with pycnogenol and L-arginine” aus dem Jahr 2003!?
Quellen:
United States Patent and Trademark Office
United States Patent No.: 5,720,956
United States Patent No.: 6,372,266 B1
United States Patent No.: 6,565,851 B2
U.S. Food and Drug Administration
Treatment of erectile dysfunction with pycnogenol and L-arginine; Stanislavov R, Nikolova V.; Seminological Laboratory SBALAG, 2003
pycnogenol.com
prelox-potenzmittel.de
power-potenzmittel.com
Improvement of erectile function with Prelox: A randomized, double-blind, placebo-controlled, crossover trial; R. Stanislavov, V. Nicolova, P. Rohdewald; Nature Publishing Group, 2007
Horphag Research Ltd.
Effectiveness of oral L-arginine in first-line treatment of erectile dysfunction in a controlled crossover study; Klotz T., Mathers MJ., Braun M., Bloch W., Engelmann U.; Universität Köln Urologische Fakultät, 1999
Mit freundlicher Genehmigung seitens des Autors M.Tal veröffentlicht.